Nachhaltigkeit

Zukunftsfähiges Leben und Wirtschaften

In Deutschland leben und wirtschaften wir so als hätten wir 3,3 Erden zur Verfügung. Klar, man könnte nun alles Geld in die Raumtechnik geben um eine weitere Erde im großen Universum suchen zu gehen, doch das ist keine ganzheitliche Lösung: Es liegt auf der Hand, dass das für die Zukunft nicht tragbar ist.

„In Deutschland wird die Erde vor allem durch die hohen CO2-Emissionen in den Bereichen Energie, Verkehr und industrielle Landwirtschaft sowie durch den sehr  hohen Flächenanspruch – insbesondere für die Fleischproduktion – überlastet.“ (Germanwatch, https://germanwatch.org/de/12612)

Verändere dein Denken

Das Konzept des „Zero Waste“ verdeutlicht eine Lebensweise, welche die Ressourcen schont und keinen Müll produziert. Das bedeutet, dass die Dinge des täglichen Bedarfs in einen Kreislauf eingebettet werden, indem alles wieder zu etwas Neuem wird. Zero Waste beginnt also nicht erst bei der Mülltonne, sondern schon beim Hersteller. Und das ist natürlich ein Thema was in die Konsumwirtschaft gehört und somit bei Dir und Deiner Entscheidung anfängt. Wie das funktionieren soll?

Lebe dein Verändern – go green!

Schau Dir selbst mal an, wie nachhaltig Dein Lebensstil ist und wie ein ressourcenleichter Lebensstil aussehen kann. Mit ein paar Klicks durch den Ressourcen-Rechner und schon hast Du alles was Du wissen musst, um frohlockend und mutig einen weiteren Schritt in ein grüneres Leben zu gehen.

6R-Regeln

Refuse- vermeiden und ablehnen

Um Zero Waste zu leben sollte man von Anfang an dafür sorgen, dass erst gar kein Müll nach Hause kommt. Damit wir uns hierfür erst gar keine Gedanken machen müssen, wie wir es verwerten. Desto weniger wir Verpacktes oder Unnützes konsumieren, desto weniger muss schließlich produziert und anschließend entsorgt werden.

Sich und Andere schützen

Eingeschweißtes Gemüse/Obst- Nein Danke! Werbeflyer/Visitenkarten- Nein Danke! Freebies- Nein Danke! Mitgliederzeitung- Ja bitte, als E-Paper! Die Plastikwerbetüte benötigst du nicht wenn du einen Beutel mitgebracht hast. Sie ist garantiert billig und nicht nachhaltig produziert und enthält viele Umweltgifte. Diese Gifte haben Arbeiter, wahrscheinlich auch Kinder, angefasst und eingeatmet. Die Arbeiter schuften unter schlechten Arbeitsbedingungen, zerstören ihre Gesundheit und verdienen dennoch kaum genug um zu überleben.

Für unser Billig leiden andere.

Reduce – reduzieren

Alles was Sie besitzen, wurde irgendwann produziert und hat Rohstoffe verbraucht. Wenn sie es weitergeben und dafür jemand anderes keine Neuware beziehen muss, schützen sie die endlichen Ressourcen auf der Erde.

Ausmisten und wieder in den Umlauf bringen!

Machen Sie sich Gedanken, was Sie wirklich brauchen und trennen Sie sich von allem, was Sie länger als 1 Jahr nicht mehr benutzt haben. Die Fehlkäufe im Kleiderschrank sind bestimmt noch gut genug um noch als Second Hand anderen eine Freude zu bereiten.

Abgelaufene Vorräte in der Küche? Geschenke, die man bekommen hat, aber dennoch nicht nutzt, weil sie den Geschmack nicht getroffen haben- Ausmisten!

Ist das grobe Gerümpel erst geschafft, geht es an den Feinschliff. Welche Küchenutensilien braucht man wirklich? Braucht man wirklich 15 Holzkellen zum umrühren? Brauche ich wirklich 10 verschiedene Vasen, wenn ich doch nur 1 Platz habe um frische Blumen hinzustellen? Vieles hat ähnliche oder die gleiche Funktion (Zollstock, Maßband), braucht man wirklich beides?

Verkaufen oder verschenken Sie es, es wird Sie befreien!

Alles, was bei uns ungenutzt rumsteht, sind doch irgendwie verschwendete Ressourcen. Reduzieren Sie und schaffen damit Platz  zum Spielen, zum Wohnen, Yoga, Sportübungen… . Alles Ideen, aber am besten wissen Sie, was Sie mit dem hinzugewonnenen Freiraum anfangen werden.

Wem es schwer fällt alleine auszumisten. Wahrscheinlich geht es zu zweit besser. Schauen Sie die Dinge zusammen an und so können Sie weiter reduzieren. Viele die sich Zero Waste verschrieben haben, leben minimalistisch. Das muss nicht sein, macht es aber leichter.

Brauchen wir wirklich für jeden Raum einen anderen Reiniger? Tut es nicht einer, für alle Bereiche? Brauchen wir wirklich unterschiedliche Waschmittel für unterschiedliche Stoffe? Braucht jede Region des Körpers unterschiedliche Pflegemittel, oder reicht nicht eine Feuchtigkeitscreme? Sie schonen Ihre Umwelt, Ihre Nerven und den Geldbeutel und ganz nebenbei reduzieren Sie den täglichen Einfluss der Umweltgifte auf Sie.

Reuse – wiederverwenden

Die wohl gängigste Form mit Dingen umzugehen welche nicht mehr benötigt werden, ist sie an andere abzugeben die Interesse daran haben.

Sei es über Kleinanzeigen, Interessengruppen auf Facebook oder Second Hand Läden. Alternativ gibt es mittlerweile in manchen Städten Läden, bei denen man Regale bzw. Fächer mieten kann und das Verkaufen für einen dort übernommen wird.

Alte Hemden/T-Shirts kann man gut zu Kleidern/Beuteln/Tops umnähen. Entsprechende Videos und Anleitungen finden Sie im Internet. Eierkartons, Marmeladengläser, Gewürzbehältnisse, Jutebeutel nur um ein paar zu nennen, sind sehr dazu geeignet, mehrfach benutzt zu werden.

Mit dem Mehrwegflaschen-/Glassystem bietet auch die Industrie Möglichkeiten, den Müll zu reduzieren. Gerade bei Wasser ist es mit Abstand am schönsten, auf „Wasser aus der Leitung“ und Glaskaraffe zurückzugreifen.

Repair – reparieren

Bei hochwertigen Produkten wie Auto, Computer oder Waschmaschine, denkt man ans reparieren wenn sie defekt sind. Wenn die Produkte relativ günstig sind, wie Toaster, Uhr oder Kleidung, denkt man eher an einen Neuerwerb. Sind sie evtl. Opfer von geplanter Obsoleszenz? Dennoch sollten wir versuchen bevor wir das Produkt in den Abfall oder in die Wertstoffsammlung geben, es zuerst zu reparieren. Familie, Freunde und Nachbarn können bestimmt Hilfestellung geben. Alternativ gibt es im Internet viele der sogenannten DIY (Do it youself) Videos und Anleitungen. Werkzeuge und Hilfsmittel sind meist auch mit wenig Engagement (Familie, Freunde, Nachbarn) kostenlos zu leihen.

Voraussetzung ist sich die Zeit zu nehmen und manchmal kommt sogar mehr dabei raus, wie lediglich ein Gegenstand für eine kurze Zeit. Wenn alles scheitert, gibt es noch die Möglichkeit ein Reparatur-Cafe zu besuchen. In Freiburg sind unter reparaturcafe-freiburg.de die verschiedenen Reparatur-Cafés gebündelt.

Recyceln

Alles was trotz Ablehnen, Reduzieren, Wiederverwenden und Reparieren noch anfällt, sollte dem Recycling-„Kreislauf“  zugeführt werden.

Rot – kompostieren

Da wir in Freiburg und Umgebung auf die Biotonne zurückgreifen können, aus dessen Material Kompost und Biogas entsteht brauchen wir uns um diesen Punkt weniger Gedanken machen. Dennoch wird „Müll“ durch die Gegend gefahren, was wir vermeiden wollen, sowie benötigt nahe zu jeder von uns doch Dünger und Humus, wenn er etwas anpflanzen möchte.

Warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und dafür sorgen, dass weniger Müll durch die Gegend gefahren wird, sowie Dünger und Humus selbst herstellen?

Wer auf keinen Kompost im Garten oder Innenhof zurückgreifen kann, der kann sich auch in der Wohnung oder auf einem Balkon eine Wurmkiste zulegen. Richtig gemacht, sollten keine Gerüche und Insekten angezogen werden. In der Wurmkiste leben, wie der Name schon sagt, Kompostwürmer. Diese Würmer verwerten Küchenabfälle und Teile des Papiermülls und verwandeln sie zu Dünger. Weitergehende Informationen haben wir euch hier zusammengestellt (http://plan-alternative.de/index.php/2014/02/17/kompost-in-der-eigenen-wohnung-richtig-gemacht-aber-sicher/).

Laut Stiftung Warentest wachsen Pflanzen in Blumenerden mit einem erhöhten Kompostanteil, im Vergleich zu Erden die darauf verzichten, besonders prächtig.

So kann man sowohl Müll, Benzin und Geld sparen und tut somit etwas für die Umwelt und für sich.

Tipps für Deinen Alltag

um Müll zu vermeiden und nachhaltiger zu leben.

Plastikfrei Einkaufen und Lebensmittel retten

  • Das Einfachste ist in Unverpackt Läden, auf Wochenmärkten und direkt beim Erzeuger einzukaufen. Hier kannst Du ganz verpackungsfrei Einkaufen.
  • Obst und Gemüse lose einkaufen. Wiege-Etikette auf den Korb bzw. Einkaufswagen kleben.
  • Überlege Dir vorher was Du brauchst. Mit einer Einkaufsliste lässt es sich bewusster einkaufen gehen und Du weißt welche Behälter, Taschen und Gläser Du mitnimmst.
  • Fertigprodukte sind mit viel Verpackungsmüll verbunden – Koche selber aus frischen Zutaten. Auch Kosmetika und Hygieneartikel kannst Du selbst herstellen. In der
  • Und ganz ehrlich: Wer braucht den Kassenzettel, die Plastiktüte oder irgendwelche Sticker? Einfach „nein Danke!“. Wer Bonusprogramme nutzt, kann auf App-basierte Programme umsteigen.
  • Beim Fleischer des Vertrauens erkundigen, ob die Waren direkt in mitgebrachten Gefäße gefüllt werden kann. In kleinen Inhabergeführten Läden ist das kein Problem.
  • Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Gewährleistung der Hersteller wie lange Lebensmittel bei richtiger Lagerung haltbar sind. Mit Deinen eigenen Sinnen kannst Du einfach und immer schneller erkennen ob etwas Verdorben ist.
  • Du hast zu viele Lebensmittel – Gib sie doch einfach weiter: Die Nachbarin, Freunde oder Foodsharing.de freut sich!

Reparieren statt wegwerfen

  • Das kaputte Fahrrad, alte Kleidungsstücke, das Küchensieb – Eigentlich kann man so alles wieder verwenden oder wiederwerten. Recycling sagt Dir bestimmt was. Upcycling ist noch eine Möglichkeit: Aus dem Küchenutensil wird plötzlich die hippste Wohnzimmerlampe! Noch nicht gesehen? Auf Youtube und Pinterest gibt es eine Menge Upcycling Anregungen und Ideen. Mit Hilfe von Videos könnt ihr im Handumdrehen so fast alles selbst reparieren.
  • Repairwerkstätten ahoi! In Freiburg gibt es eine Werkstatt für Fahrräder, wo ihr unter Anleitung eure Tretmühle reparieren könnt. Und eine Gruppe von Menschen die kaputte Computer und Drucker wieder befähigen. Kennst Du noch weitere Repaircafés und -gruppen?

Mobilität

  • Die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und Tickets als Handytickets beziehen
  • Fahrgemeinschaften bilden, statt allein durch die Weltgeschichte zu fahren. Meistens trifft man auch spannende neue Freunde!
  • Braucht ihr Auto wirklich für euch allein oder für die Familie? Teilen ist angesagt!

Teilen und Weitergeben

  • Lebensmittel weitergeben, zum Beispiel über foodsharing.de
  • Bookcrossing.deHier lernen Bücher laufen; es geht darum, gelesene Bücher zu teilen. Man kann hier einfach sein Buch anbieten und jemand anderes wird es dann lesen. Das größte Büchertauschnetzwerk der Welt.
  • Auf Flohmärkten und Second-Hand Läden kannst Du deine Sachen loswerden oder ein neues Lieblingsstück finden.
  • Auf verschiedenen Sharingmärkten – und Plattformen kannst Du Dinge, die Du nicht mehr brauchst oder willst, weitergeben. Kleidung, Schmuck, Geräte, Bücher usw. können in Tauschringen und Basaren getauscht werden.
  • Tauschen und Party? Passt perfekt! Höre dich einfach in Deiner Umgebung um oder suche in den sozialen Medien wie facebook ob es so etwas in deiner Nähe gibt. Wenn nicht: Schmeiß Deine eigene erste Kleidertausch oder Sachtauschparty!
  • Carsharing – kennst Du noch nicht? In Freiburg und Region heißt sie Grüneflotte.de

Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Schriftverkehr

  • auf dem Briefkasten “Werbung und kostenlose Zeitung – Nein Danke“ ankleben (Alternativen: Flyer online anschauen bzw. sich die wöchentliche Werbung als Newsletter schicken lassen)
  • Bücher, Zeitungen und Zeitschriften einfach an Freunde und Bekannte weitergeben. Spart Papier ein und lockert den Geldbeutel. Oder auf die Online Version oder Reader umsteigen.
  • Bei Rechnungen und Mitgliederzeitungen auf Email umstellen oder gleich den Newsletter abonnieren
  • Kugelschreiber durch aufziehbaren Füller ersetzen

Mehrwegverpackungen gegenüber Einwegverpackungen bevorzugen

  • Nachfüllpackungen, Schachteln und Boxen wieder benutzen und wieder befüllen
  • Gläser gegenüber Aludosen bevorzugen (Ist auch gesünder, Stichwort BPA Überzug der Dosen)

Haus und Garten:

  • Pflanzenerde und Dünger selbst herstellen. Eine Anleitung bietet hier Wilma-Wurmkiste
  • Auf Ökostromanbieter umsteigen
  • ecosia.org/: Ist eine kostenlose Suchmaschine wie Google, nur dass hier über 80 Prozent des Gewinns an ein Regenwaldschutzprogramm des WWF gehen.

Querdenken, Neudenken, Kreativ sein: So ist es zum Beispiel sinnvoll aus einem löchrigen T-Shirt eine Tasche zu nähen. Dir fallen bestimmt noch viele weitere Dinge ein!

Wissenswertes

Über den Tellerrand geschaut…

Gibt es da noch mehr Möglichkeiten „grün“ und nachhaltig zu leben? Gute Nachricht: Ja, es gibt sie! Und in das in allen möglichen Formaten!

Grüne Bücher

Bücher, die sich lohnen

  • „Besser leben ohne Plastik“ von Anneliese Bunk & Nadine Schubert (Mit gleichnamigen Blog)
  • „Zero Waste Home“ von Bea Johnson (ebenfalls mit gleichnamigen Blog)
  • „Anständig leben: Mein Selbstversuch rund um Massenkonsum, Plastikmüll und glückliche Schweine“ von Sarah Schill

Selbstgemacht ist Angesagt

  • „Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie: Einfach mal selber machen!“ Herausgegeben vom smarticular Verlag

Blogosphäre

Auf Wasteland Rebel findet ihr die bekannte Shia. Sie ist im deutschsprachigen Raum unterwegs und blogt, backt, ja lebt seit 2014 plastikfrei. Auf ihrer Seite sind viele handfeste und alltagstaugliche Tipps für einen nachhaltigen Lebensstil. Nebenbei berichtet sie noch auf ihrem Blog „Cake Invasion“ von leckeren vegane Torten, Kuchen und anderen verbotenen Leckereien. Hier geht’s zur Shia

Die bekannte amerikanische Bloggerin Bea Johnson gilt als ZeroWaste Lifestyle „Guru“. Ihr Bestseller Buch „Zero Waste Home“ ist weltweit bekannt und wurde in 14 Sprachen übersetzt. Auf ihrer Seite hält sie wertvolle Tipps für euch bereit, wie ihr euren Alltag – von Ernährung, bis hin zur Gartenarbeit – plastikfrei gestalten könnt. Viel Spaß auf Zero Waste Home.

Weil drei so eine schöne Zahl ist, noch eine Blog-Empfehlung: Olga und Gregor bloggen über ihren nachhaltigen Alltag. Sie geben dabei allerlei Tipps und Tricks wie man einfach auf Plastikfrei umstellt. Die beiden haben mit einer weiteren Begeisterten den Unverpackt Laden „Tante Olga“ in Köln gegründet. Schaut selbst Tante Olga und ihr Zero Waste Lifestyle Blog.

Filme & Dokumentationen

  • Plastic Planet (2010)
  • A Plastic Ocean (2013)

Links

Utopia.de bietet dir Wissen über nachhaltige Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Artikel „Zero Waste – besser leben ohne Müll“ nennt dir Gründe und Möglichkeiten eines plastikfreien Lebens.

Raphael Fellmer ist bekannt für sein sehr authentisches alternatives Lebenskonzept: Mit Ihm begann die Ära des Lebensmittelrettens und des „Glücklich-sein-ohne-Geld“. Mehr zu ihm und seinen Projekten findest du auf seiner Internetseite und sein kostenloses Buch kannst du für dich und deine Gemeinschaft hier downloaden. Für Freiburger und Freiburgerinnen: In der SuSi im Vauban gibt es das Buch für alle zum gemeinsamen Reinlesen.